Islamischer Religionsunterricht ist der falsche Weg
Im Rahmen der dritten Islamkonferenz kam unter anderem der islamische Religionsunterricht zur Sprache. Dieser wird vielfach befürwortet (u. a. vom deutschen Bundesinnenminister W. Schäuble), findet aber zurecht auch reichlich Gegenstimmen. Die meines Erachtens sinnvollste Gesamtlösung in der Schul-Religionsfrage stammt von Dr. Dr. Joachim Kahl. Er hatte bereits im Jahr 2000 vorgeschlagen, anstelle des traditionellen Religionsunterrichts ein neues, zeitgemäßes und verbindliches Fach “Religions- und Weltanschauungskunde” zu etablieren.
Religion (soll) freilich nicht schlechthin aus der Schule verbannt sein. Religion gehört in die Schule – notwendig und sinnvoll als Unterrichtsstoff, lehrbar und lernbar. Aber: nicht als Subjekt der Selbstdarstellung, sondern als Objekt der Darstellung.
Diesem Fach sollten Gläubige und Nichtgläubige jeder Couleur beiwohnen, es sollte zur Etablierung und Wahrung einer säkular-humanistischen Gesellschaft beitragen. Mit Grundlagen zu allen relevanten Glaubensrichtungen, einer objektiven Vermittlung und einer gesunden Portion Religions- und Ideologiekritik soll dies erreicht werden. Kein parteiischer Islam- oder Christenunterricht wäre dazu in der Lage, zumal die Förderung von privaten Glaubens- bzw. Religionsvorstellungen ja gar nicht Aufgabe eines säkularen, staatlichen Schulwesens sein darf. Da verblüfft die aktuelle Forderung eines Schülers, während der Unterrichtszeit seinen “verpflichtenden” Gebeten nachkommen zu müssen, umso mehr.
Nur dadurch kann sichergestellt werden, dass Fundamentalismus und Hasspredigten im Keim erstickt werden. Fundamentalistisch eingestellte Eltern würden ihren Spross doch niemals einem freiwilligen islamischen Religionsunterricht beiwohnen lassen, wenn sie wüssten, dass dort ein moderner, gemäßigter Islam vertreten und gelehrt wird. Gegen eine verpflichtende, alle Religionen und Glaubensrichtungen umfassende “Religions- und Weltanschauungskunde” sind ihre schändlichen Indoktrinationsversuche jedoch machtlos und der Weg für ein tolerantes Miteinander wäre geebnet.
14. März 2008 um 17:59
Gute Gedanken.
In der Tat scheint es wichtig, ganz schnell ein Bewusstsein für Laizität (besseres Wort als Laizismus?) zu entwickeln, doch werden wir zu langsam sein und wird das in der politischen Kaste übliche seichte ‘erfolgreich-Tun’ die bärtigen Mullahs in die Schule locken? Wer kontrolliert die Lehrinhalte, welcher Islamverband hat sich jemals von Scharia distanziert??? Die derzeitige Hinterzimmer-Kultur ist sehr gefährlich; welche Verträge werden da eigentlich im Namen des Volkes geschlossen – und wo ist der ‘Notausstieg’ für die BRD, falls sich in fürnf oder zehn jahren die islamverbandlichen Religionslehrer als ein Haufen Radikaler erweist?
In Berlin hat eine extreme islamistische Gruppe ‘versehentlich’ das Monopol auf islamischen Religionsunterricht bereits inne. Dumm gelaufen.
Denn es ist dem Islam eine gewaltige Reform(ations)leistung abzuverlangen, die das Christentum (bis auf Opus Dei und Evangelikale/Kreationisten) hinter sich hat: Psychoanalyse, sexualle Revolution, Frauenrechte, (negative) Religionsfreiheit sind im Islam weltweit noch nicht gegeben.
Bayern hat`s nicht gepeilt:
http://eifelginster.wordpress.com/2007/11/13/016-gott-statt-spott-jacques-auvergne-zu-%c2%a7-166-stgb/
Schule und Islam: Koftuchfrage:
http://jacquesauvergne.wordpress.com/2007/11/04/kopftuch-freiheitliche-grundordnung/
Schule und separate Islam-Beträume:
http://schariagegner.wordpress.com/2007/12/21/die-geometrie-der-scharia/
Sehr lesenswert: Seyran Ates, Necla Kelek, Mina Ahadi, Serap Cileli und Alice Schwarzer.
für den AK pik/Pädagogische Islamkritik
Cees van de Duin
15. März 2008 um 15:40
Ich befürchte auch, dass wir zu langsam sein werden. Solange all diese religiösen Missstände mit dem Stempel “kulturelle Vielfalt” zu den Akten gelegt werden, wird eine Zurückdrängung des Religiösen nämlich nicht funktionieren.
Übrigens drei hochinteressante Blogs, die ich bisher noch nicht kannte.
15. März 2008 um 20:21
[...] Siehe auch meinen Beitrag vom 14. März 2008, “Islamischer Religionsunterricht ist der falsche Weg“. [...]
7. April 2008 um 21:51
[...] in den Glauben? Ich kann nur meine Forderung – nein meinen dringlichen Wunsch – nach einem “Religions- und Weltanschauungsunterricht” bekräftigen. Ein Fach, dass verpflichtend für alle Schüler ganz gleich welchen Glaubens [...]
6. Mai 2008 um 21:09
[...] Mai 2008 · No Comments So geht die schöne Idee der Verbannung des herkömmlichen Religionsunterrichts von deutschen Schulen zugrunde. Anstatt ihn zu verbannen, wird er wesentlich ausgebaut. Ein Ende [...]
12. Oktober 2008 um 10:12
Zum Thema fand ich die folgenden Links:
http://schariagegner.wordpress.com/2008/08/19/zur-diskussion/
http://schariagegner.wordpress.com/2008/10/09/schariagegner-zu-islamisches-religionsbuch-saphir-56/
http://schariagegner.wordpress.com/2008/08/27/anis-hamadeh-islam-fuer-kids-sozialpadagogisch-analysiert/
Gruß Annemie