Verpflichtender Ethikunterricht für Konfessionslose geplant

Die ÖVP wärmt nun ihren Vorschlag vom “Ethikunterricht” auf. Man plant, für konfessionslose Schüler bzw. solche, die sich vom regulären Religionsunterricht abmelden, ein verpflichtendes Ethik-Fach einzuführen.

Die Presse schreibt dazu:

Die Schulversuche starteten [...] als Reaktion auf die steigende Anzahl von Abmeldungen in den Oberstufenklassen. Wer nämlich Religion nicht besucht und auch kein Ethik-Fach vorfindet, kann während der üblichen Religionsstunden die Schule verlassen, spazieren gehen, ein Café aufsuchen …

Ja, es wäre in der Tat geistreicher, anstatt des Religionsunterrichts das Schulgebäude zu verlassen und spazieren zu gehen. Bewegung kommt ohnehin zu kurz in den von Turnstundenkürzungen gezeichneten Bildungsanstalten. In der freien Stunde sich mit Gleichgesinnten im Café zu unterhalten, allfällige Schulaufgaben zu erledigen und sich gegenseitig beim Lernen zu helfen, ist sicher erträglicher, als die religiöse Indoktrination.

Aber es geht bunt weiter. Laut dem ÖVP-Konzept ist kein eigenes Lehramtsstudium für diesen Gegenstand vorgesehen, da hier die Gefahr eines “unerwünschten Lenkungseffektes” gegeben wäre. Die ÖVP versteht darunter, dass neue hauptberufliche “Ethik-Lehrer” die gläubigen Schüler vom Religionsunterricht abwerben könnten. Es wäre zweifellos fatal, wenn irregeleitete Schüler plötzlich den Weg zur Vernunft entdecken und abspringen würden vom unkritischen Mainstream, um sich ihres eigenen Verstandes zu bedienen. Ist die Schule nicht der Objektivität verpflichtet? Soll sie die jungen Menschen nicht zur wissenschaftlichen Reflexion erziehen? Zu eigenständig denkenden Individuen mit einer gesunden Portion Kritik? Wenn diese Überlegungen zutreffend sind, weshalb entwickelt man dann eine Heidenangst vor einem “Lenkungseffekt”, einem Hinführen zur Vernunft? Schlummert da etwa immer noch das erste Gebot, das “Du-sollst-keine-anderen-Götter/Weltanschauungen-neben-mir-haben”-Gebot, in den Wirrköpfen der “Überzeugungstäter”? Ist es dieser monotheistische Universalanspruch auf die Wahrheit, der die Einheitsdenker dazu veranlasst, eine weitere Riege scheitelgeföhnter Ja-und-Amen-Sager heranzuzüchten, die dir dann sagen, woran man alles nicht forschen darf, weil dies und das nicht den altehrwürdigen Geboten eines antiquierten, verstaubten Wälzers entspricht?

Um diesen Schwachfug zu komplettieren, unterbreitet man nun den Vorschlag, dass auch Religionslehrer befugt sein sollen, diesen Ethikunterricht zu führen. Unverblümt ausgesprochen heißt das, man will wieder einen Religionsunterricht einführen, dem alle beizuwohnen haben. Sowohl Konfessionelle, als auch “Ungläubige”, Konfessionslose sollen indoktriniert werden. Denn bei allem Verständnis, wie kritisch kann sich ein überzeugter gläubiger Theologe zu seiner eigenen Religion positionieren? Wie kritisch will er sein und was ist natürlich seine Intention, wenn nicht die Missionierung der Schüler, die “Rücklenkung” in den Glauben? Ich kann nur meine Forderung – nein meinen dringlichen Wunsch – nach einem “Religions- und Weltanschauungsunterricht” bekräftigen. Ein Fach, dass verpflichtend für alle Schüler ganz gleich welchen Glaubens oder Nichtglaubens angeboten wird und in dem unsere Schüler zu kritischen und vernünftig denkenden jungen Menschen herangebildet werden. Alles andere ist nicht tragbar und schon gar nicht zeitgemäß.

Leave a Reply