Die Jugend trinkt – wen interessiert´s?
Immer dann, wenn bekannt wird, dass sich wieder einmal ein junger Mensch bewusstlos getrunken hat, hört und liest man die selben abgedroschenen Floskeln von mehr oder weniger erwachsenen Bürgern. Die einen fragen sich, ob denn das Sommerloch schon begonnen hat, weil derart Uninteressantes und Belangloses veröffentlicht wird, die anderen meinen, dass es den Jugendalkoholismus doch ohnehin schon immer gab und das wird sich auch niemals ändern. So mancher findet auch, dass solche Meldungen junge Menschen dazu animieren, sich zuzuschütten. Es ist interessant, wie man zu der Auffassung kommen kann, dass eine objektive Kurzmeldung über das Besäufnis einer Jugendlichen zum Komasaufen verleiten kann. Dieses Potential haben eher die unzähligen “Wir sind für die EM gerüstet”-Artikel, wo die Brauereien stolz erklären, dass es dieses Mal zu keinen Bier-Engpässen kommen wird, denn “man ist gut gerüstet”. Oder die Boulevardberichte über die “High Society”, die sich wieder einmal zu einem besonderen “Event” zusammengefunden hat, um auf dieses und jenes Ereignis anzustoßen. Oder die Werbespots der Produzenten des flüssigen Brots, in denen uns medial eingetrichtert wird, dass man ohne Alkohol nicht lebensfähig ist.
Ich sehe das Ziel der objektiven Berichte über die Besäufnisse unserer Jugend vor allem darin, dass sich die Eltern der jungen Trinker beim Lesen und Hören an den Kopf fassen und den Konsum ihrer Jüngsten endlich einmal überdenken. Werdende Eltern sollten dadurch sensibilisiert werden, um dem Nachwuchs von Geburt an eine möglichst alkoholfreie Umgebung vorzuleben. Man wird ja nicht von einem Tag auf den anderen zu einem alkoholisierten Schläger, zu einem gewissenlosen Trunkenheitsfahrer oder eben zu einem Abhängigen.